Norbert Klinkenberg: Achtsamkeit in der Verhaltenstherapie

„Wir denken zu viel und wir empfinden zu wenig“

– kaum ein Satz könnte treffender die Bedeutung von Achtsamkeit beschreiben.

Achtsamkeit – was ist das eigentlich? Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Augenblick mit allen Sinnen wahrzunehmen – die blühende Blume zu sehen, ihren Duft zu riechen, ihren zarten Blüten zu berühren und die Freude darüber körperlich zu empfinden.
Norbert Klinkenberg definiert Achtsamkeit als die Brücke zwischen Empfinden und Wahrnehmen. Er bezieht sich in seinem gesamten Buch auf die Arbeit von Heinrich Jacoby und Elsa Gindler. Beide benennt Klinkenberg als wissenschaftsgeschichtlich betrachtet von grosser Bedeutung für die Entwicklung körperbezogener Psychotherapieansätze.

Achtsamkeit – was habe ich davon? Rainer Maria Rilke schreibt dazu: Nichts ist kostbarer als im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen, vollkommen lebendig und vollkommen wach. Klinkenberg schreibt zur Bedeutung von Achtsamkeit im (körper)psychotherapeutischen Kontext: Achtsamkeit soll helfen, sich wieder mehr und mehr ganz, mit allen Sinnen leichter und angenehmer zu erleben. „Es darf mir unter allen Umständen wohler werden. Wohler heisst körperlich: weiter, leichter, gelöster“.

Ein Kapitel seines Buches widmet Klinkenberg dem Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Lernen. Hier betont er, dass die sensomotorische Kompetenz, also die Fähigkeit mit allen Sinnen wahrzunehmen, der Schlüssel zur Erschliessung der Welt und der eigenen Fähigkeiten ist. Klinkenberg beschreibt das kindliche Spiel als ein ständiges sensomotorisches Aufnehmen von Erfahrungen, die verarbeitet, integriert und gelernt werden. Kinder seien „Lernstaubsauger“, sie könnten gar nicht anders, als zu lernen. Leider „verstopfe der Lernstaubsauger“, sobald es um richtig und falsch und um das Erreichen von Zielen gehe – wie es bei Schuleintritt häufig geschehe. Klinkenberg plädiert dafür, zu erleben, sich zu bewegen, ins Spiel zu kommen, sich und die Welt mit allen Sinnen zu erfahren – anstatt zu bewerten und Dinge auf die „richtige“ Art und Weise tun zu wollen.

Psychotherapeut/innen finden in dem Buch wertvolle Hinweise bezüglich der Bedeutung lernpsychologischer Erkenntnisse für (körper)psychotherapeutische Interventionen.

Gefallen hat uns auch ein Kapitel mit sog. „Spiegelsätzen“. Spiegelsätze sind Merksätze die helfen, die Praxis der Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren.

Ach ja, noch was: Für alle, die Lust haben, die Jacoby/Gindler-Arbeit selbst zu erfahren enthält das Buch eine Audio-CD mit Übungsanleitungen.

Ein wirklich vielfältiges und anregendes Buch. Wie immer wünschen wir viel Spass beim Lesen.

Klinkenberg, Norbert (2007): Achtsamkeit in der Körperverhaltenstherapie. Stuttgart: Klett-Cotta. ISBN: 978-3-608-89040-2

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Christian Berrend, Erzieher und Künstler: Da wohnt doch so ein Clown in mir

Hallo, ich heiße Christian, bin hauptberuflich Erzieher und arbeite gerade mit Karin zusammen im Clowns –Duo. Für die Website von KaSu sollte ich mich ein wenig vorstellen, also gut:

Ich habe in meinem jungen Leben schon etliche Ver-Wandlungen erlebt und es hat mich immer wieder gereizt, diese Transformationen auf unterschiedlichen Ebenen zu gestalten. Dabei ist dann irgendwann ein Clown aus mir ausgebrochen, einfach weil es sich richtig und gut anfühlte, also aus innerer Notwendigkeit. Momente zu schaffen, in denen sich durch mein Auftreten etwas verändert, wecken ein immenses Glücks- und Lustgefühl in mir. Also kann ich gar nicht anders.

Dabei mag mein Clownswesen so gar nicht den Vorstellungen entsprechen, die wir vom Clown haben, eher sehe ich ihn als freien Narren. In seiner intergalaktischen Mission den höheren Un-Sinn des Lebens auf diesem Planeten zu repräsentieren stolziert er durch die Welt und lässt sich durch fast gar nichts erschüttern, naja außer vielleicht seiner Clownspartnerin Hibbli, die eh immer alles falsch macht, oder von den Zuschauern, die sich so merkwürdig benehmen, oder die allzu menschlichen Triebe die ihn in verzwackte Situationen bringen, oder oder oder…

Ich kann nur jedem raten, seinen eigenen Narren zu entdecken, nicht nur weil es unglaublich viel Spaß macht und man selbst manchmal vor Lachen auf dem Boden liegt, sondern auch weil man so viel verborgene Energie in sich entdeckt, dass das ganze Leben einem auf einmal noch reicher, noch vielfältiger aber auch viel sinnlicher vorkommt. Weil ganz genau darum geht es: Sinne zu erwecken, neue Perspektiven gewinnen und sich von altem Ballast freimachen. Wer weiß, vielleicht bieten wir ja bald einmal Kurse an … 😉

Hoffentlich bis bald in diesem Theater

Christian

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