Neues von unserem Engagement im Bereich Frühe Kindheit

Zu unserem Fachartikel „Qualität in der Kinderbetreuung bedeutet Beziehung“ haben wir viel positive und ermutigende Rückmeldungen bekommen.

Vom Familienministerium wurden wir angefragt, eine Kurzfassung des Fachartikels für ein pädagogisches Handbuch für die „Maisons Relais pour Enfants“ (außerschulische Kinderbetreuung) zu schreiben. Darüber haben wir uns gefreut.

Weiter sind neue Kooperationen entstanden: zur Eltereschoul (Elternschule) und zur Initiativ Liewensufank (Initiative Lebensanfang).
In der Eltereschoul ist ein erster Vortrag zum Thema Bindung als Basis für die kindliche Entwicklung vorgesehen (siehe Veranstaltungen).
In Zusammenarbeit mit der Initiativ Liewensufank ist eine zweiteilige Veranstaltung zum Thema Bindung und deren Relevanz für außerfamiliäre Säuglings- und Kleinkindbetreuung vorgesehen. Zudem hat uns die Initiativ Liewensufank angefragt, einen Artikel dazu für ihre Zeitschrift baby-info zu schreiben.

Um die Qualität der Kinderbetreuung zu verbessern, braucht es mehrere Akteure. Wir freuen uns deshalb, dass wir im Rahmen der Initiativ Liewensufank die Möglichkeit erhalten, Eltern über Qualitätskriterien von Kinderbetreuungseinrichtungen zu informieren. Oft sind Eltern mit Situationen und Strukturen konfrontiert, die ihnen ein ungutes Gefühl machen. So hat uns u.a. eine Mutter berichtet, dass sie bei der Eingewöhnung ihres acht Monate alten Kindes maximal 15 Minuten nach dem Bringen bei ihm bleiben darf. Andere Eltern berichten, dass sie am ersten Tag aufgefordert werden zu gehen, auch wenn ihr Kind verzweifelt weint. Auch wenn in einigen Einrichtungen durchaus eine Eingewöhnung von ein bis zwei Wochen vorgesehen ist, sieht diese in der Regel folgedermassen aus: Ohne Anwesenheit eines Elternteils wird die Zeit, die das Kind in der Einrichtung verbringt, sukzessive verlängert. Gut informierte Eltern können hier klarer Position beziehen und ihr Kind schützen.

Aber auch von Kinderbetreuungseinrichtungen, die wir supervisorisch begleiten, erhalten wir Unterstützung indem einige Mitarbeiter/innen bereit sind, neue Wege zu gehen. Eine Einrichtung hat erstmals ausgehend von einer Fallsupervision die Eingewöhnung eines Kindes nach dem Berliner Modell gestaltet.

Ein weiterer Kontakt ist zu PD Dr. Karl Heinz Brisch entstanden (siehe Buchtipps), was mich (Susanne Stroppel) besonders freut, da ich vor 15 Jahren auf der kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung, in der Karl-Heinz Brisch als Stationarzt tätig war, als Erzieherin gearbeitet habe. Als leitender Oberarzt der Kinderklinik und Poliklinik im Dr. Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilian-Universität in München forscht und praktiziert er heute dort zum Bereich frühe Kindheit.
Er hat zwei Modellprojekte entwickelt.

1. SAFE (Sichere Ausbildung für Eltern) – eine Weiterbildung für Eltern, die zum Ziel hat diese in der Entwicklung einer sicheren Bindungsbeziehung zu ihrem Säugling zu unterstützen (www.safe-programme.de)

2. B.A.S.E. (Baby-Beobachtung gegen Aggression und Angst zur Förderung von Feinfühligkeit und Empathie). Zielgruppe sind 3-6jährige Kindergartenkinder, die einmal pro Woche von einer Mutter und deren Säugling besucht werden und in diesem Rahmen lernen, sich in die Emotionen und Motivationen von Mutter und Kind einzufühlen (www.base-babywatching.de).

Wir finden beide Projekte hochspannend und sind derzeit auf der Suche nach Kooperationspartnern in Luxemburg und der Grossregion, um SAFE und B.A.S.E. auch hier anbieten zu können.

Wir sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen in diesem Bereich und freuen uns, dass KaSu-Insitut eine Vernetzung mit Menschen erfährt, die sich im Bereich Frühe Kindheit engagieren.

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Qualität in der Kinderbetreuung bedeutet Beziehung

Ein kleines Baby bringt die Bereitschaft, sich zu entwickeln, mit auf die Welt. Es muss nicht „gefördert“ werden. Was es allerdings braucht sind Erwachsene, die für sein körperliches und seelisches Wohlbefinden sorgen. Auf dieser Basis entwickelt sich das Baby aus sich heraus.

Auf der seelischen Ebene müssen sich Säuglinge und Kleinkinder in aller erster Linie geborgen und sicher fühlen, um sich gesund zu entwickeln. Geborgenheit und Sicherheit erlebt ein kleines Kind ausschliesslich in Beziehung zu einer vertrauten Person.

Aus Perspektive des Kindes bedeutet Geborgenheit und Sicherheit: „Ich fühle mich nicht allein gelassen. Eine vertraute Person ist jederzeit für mich da. Meine Bedürfnisse nach Körperkontakt, liebkost und gestreichelt werden, nach Blickkontakt und Ansprache, nach Essen, Schlafen und Bewegung werden ausreichend befriedigt.“

Wenn ein Kind diese Erfahrungen macht, bildet sich folgendes Grundgefühl: „Ich fühle mich aufgehoben. Die Welt ist ein sicherer Ort. Die Menschen sind mir wohlgesonnen. Wenn ich Hilfe und Schutz brauche, erhalte ich sie“.

Dieses Grundgefühl ist sowohl Voraussetzung für Lernen als auch für die Entwicklung von Vertrauen – in sich, in andere Menschen, in die Welt.

In dieser Weiterbildung wird die Gestaltung der Säuglings- und Kleinkindbetreuung in Bezug auf das Bedürfnis der Kinder nach Geborgenheit und Sicherheit reflektiert. Im Mittelpunkt steht die Vermittlung von entwicklungspsychologischen Grundlagen und ihre Anwendung auf die Praxis der Kinderbetreuung.

Herzlich willkommen sind alle pädagogischen Fachkräfte der Säuglings- und Kleinkindbetreuung (0-3 Jahre)!

Termine:
25.-26.04.2008 Entente des Foyer de Jour, Luxemburg; Referentin: Susanne Stroppel
Anmeldung:
Entente des Foyers de Jour asbl
Formation Continue
5, rue Genistre
L-1623 Luxembourg
Tel.: 00352-460808350

05.-06.05.2008 Club Aktiv, Trier; Referentin: Susanne Stroppel
Anmeldung:
Ulrike Baumann
Schützenstrasse 20
54295 Trier
Tel. +49-651-97859-149
E-Mail: baumann@clubaktiv.de
www.clubaktiv.de

Bei Fragen zum Inhalt können Sie sich gerne an uns wenden.

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Bindung – Basis für die kindliche Entwicklung

Um sich gut zu entwickeln, braucht ein kleines Baby Eltern, die Sorge tragen für sein Bedürfnis nach Zuwendung, Nähe und Geborgenheit.

Geborgen fühlt sich ein Baby dann, wenn es erlebt: „Mama, Papa, Anna … nehmen wahr, wie es mir geht und was ich brauche“. Wenn es diese Erfahrung ausreichend macht, entwickelt es eine sichere Bindung zu seinen Bezugspersonen.
Wenn Sie Lust haben, mehr darüber zu erfahren, welche Bedeutung Bindung für die Entwicklung ihres Babys hat und was Sie tun können, um die Entwicklung einer sicheren Bindung zu unterstützen, dann sind Sie herzlich willkommen!

Ort des Vortrags:
Ecole des Parents Luxembourg-Ville
Institut St. Jean
110, avenue Gaston Diderich
L-1420 Luxembourg

Anmeldung an:
Elternschule J. Korczak
110, avenue Gaston Diderich
L-1420 Luxembourg
oder eMail an: eltereschoul-luxembourg@kannerschlass.lu

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Babys brauchen einen „sicheren Hafen“

Neugierig, mutig und offen die Welt erkunden kann nur, wer einen „sicheren Hafen“ hat, der bei Bedarf aufgesucht werden kann.

Das ist auch bei Babys so. Um sich gut zu entwickeln, müssen sie ihre kleine Welt erkunden. Erkundungsreisen gehen immer einher mit Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Und mit belastenden Gefühlen wie Angst und Unsicherheit.

Ein Baby kann Angst und Unsicherheit noch kaum alleine regulieren. Es braucht eine vertraute Person, bei der es Schutz, Trost und Unterstützung erhält – sowohl zuhause als auch in außerfamilialer Kinderbetreuung wie z.B. in einer Krippe.

Wenn Sie Lust haben, mehr darüber zu erfahren,

•welche Bedeutung Bindung für die Entwicklung ihres Babys hat
•was Sie tun können, um die Entwicklung einer sicheren Bindung von Anfang an zu unterstützen und
•auf was sie bei der Auswahl einer Kinderkrippe achten sollten

dann sind Sie herzlich willkommen!

Information zum Ort der Veranstaltung und Anmeldung bei:

Initiativ Liewensufank
20, rue de Contern
L-5955 Itzig
info@liewensufank.lu
Tel.: 360598

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Wie ihr Baby mit Ihnen spricht

Wenn ein kleines Baby auf die Welt kommt, bringt es wichtige Fähigkeiten bereits mit. Unter anderem kann es seinen Eltern bereits „erzählen“, wie es ihm geht und was es braucht.
Dabei spricht es jedoch eine andere Sprache wie die, die uns geläufig ist. Babys „sprechen“ mit ihrem Körper. Ihre erste Sprache ist die Körpersprache.
Für Eltern ist es oft eine Herausforderung, diese so andere Sprache zu übersetzen und zu verstehen.
Verstehen und sich verstanden fühlen ist wichtig für die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Ich möchte Sie deshalb einladen, einen Ausflug in die körpersprachliche Welt eines Babys zu machen. Einen Vormittag lang werden wir mit Hilfe von vielen Videobeispielen erleben, wie Babys mit ihren Eltern „sprechen“.

Information zum Ort der Veranstaltung und Anmeldung bei:

Initiativ Liewensufank
20, rue de Contern
L-5955 Itzig
info@liewensufank.lu
Tel.: 360598

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Vortrag: Psychotherapie bei Depression

Tagung:
Depressioun – wéi gin ech domat em?
ee Bausteen an der Suizidpräventioun

Vormittags: Vorträge
Nachmittags: Workshops

Kontakt und Information:
Centre d`Information e de Prévention
21, b.d. Pierre Dupong
L-1430 Luxembourg
Tel. +352-455533
eMail: cipreven@pt.lu

Die Folien zum Vortrag sowie eine Videoaufzeichnung finden Sie in Kürze auf www.KaSu.lu .

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Gelassener und mit mehr Freude Leitung sein

Leitung ist eine vielschichtige und damit auch anspruchsvolle Funktion.

•Als Leitung hat Frau/ Mann plötzlich Personalverantwortung, d.h. Mitarbeiterinnen einstellen, fördern und fordern und gegebenenfalls entlassen.
•Als Leitung muss Frau/ Mann plötzlich führen ohne dafür direkt ausgebildet zu sein, d.h. Zielvorgaben machen – Entscheidungen treffen – planen – anordnen – kontrollieren und motivieren.
•Als Leitung steht Frau/ Mann oft zwischen allen Stühlen: Der Träger, die MitarbeiterInnen, das Minsterium, die Kinder, die Eltern alle wollen etwas und alle wollen etwas anderes. Sie alle haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen, die an Leitung herangetragen werden. Das macht Druck.

Die angesprochenen Punkte können auf unterschiedliche Weise gelebt werden. Wichtig ist es, dass ich als Leitung unterschiedliche Führungsstille kenne und situationsangemessen einsetzen kann.

Weiter ist es wichtig ein eigenes Führungsleitbild zu haben. Dieses beinhaltet: zentrale eigene Werte sowie die der Einrichtung. In schwierigen Situationen dient dieses Leitbild als wertvolle Orientierung.

Wer auf verschiedene Führungsstile sowie auf ein Führungsleitbild zurückgreifen kann, kann gelassener und mit mehr Freude Leitung sein.

Ausgehend von Ihren Leitungserfahrungen werden wir anhand der Fragen, die Sie aus der Praxis mitbringen, die angesprochenen Themen bearbeiten.

Termine:
9.-10.04.2008 und 12.06.2008
Entente des Foyer de Jour, Luxemburg;
Referentin: Karin Weyer
Anmeldung:
Entente des Foyers de Jour asbl
Formation Continue
5, rue Genistre
L-1623 Luxembourg
Tel.: 00352-460808350

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Der Clown nutzt den Winterschlaf

Eigendlich wollte ich (Karin Weyer) diesmal nur schreiben, dass der Clown sich zur Zeit im Winterschlaf befindet. Dann dachte ich, dass muss ich dann doch wohl etwas erklären, da Clowns ja eigendlich gar keinen Winterschlaf halten.

Was ist also über den Winter passiert? Ich habe die dunklere Zeit dafür genutzt die feineren Aspekte des Clowns auszubauen. Bis dahin habe ich mich zu meiner Freude und der meiner Zuschauer und Zuschauerinnen ausgetobt und die klassischen Rot-Clown oder August Aspekte ausgedrückt. Eine sehr schöne Sache. Doch jetzt im Winter habe ich mehr an den Aspekten des Weiss-Clowns gearbeitet. Dabei stand die Arbeit am Gefühlsausdruck im Vordergrund. Aber eben nicht mehr die lauten, polternden Aspekte, sondern die ruhigeren, tieferen(?) Aspekte.

Am 23.02.2008 habe ich zusammen mit meinem Clownpartner Christian Berrend dies bei einem Geburtstagsfest zur Aufführung gebracht. Wir haben ein kurzes Programm ausgehend von dem Geburtstagskind (welches 50 wurde) zusammengestellt und die Gefühlswelt mit ihren vielen Ausdrucksweisen im Leben dargestellt. Als zweiten Teil haben wir den Clown genutzt um die Unterschiedlichkeit der Gäste deutlich sichtbar zu machen.

Bei dieser Art von Arbeit ist es uns sehr wichtig, niemanden ausser uns selber vorzuführen. Sich über andere lustig machen ist einfach und billig und funktioniert auch meist. Aber als Clowns sind wir bereit das Lachen auf uns zu ziehen. Das ist, für mich jedenfalls, immer wieder eine Herausforderung.

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Stella Braam: Ich habe Alzheimer

Stella Braam beschreibt in diesem Buch Gespräche mit ihrem Vater (René van Neer), der an Alzheimer erkrankt ist. Es handelt sich um eine engagierte Beschreibung, die immer wieder die Sicht des Erkrankten einnimmt. Das, was der Vater zusehens scheinbar nicht mehr versteht, sich nicht mehr erklären kann und „falsch“ interpretiert wirkt in dem Rahmen seiner Wahrnehmung- und Erklärungsmöglichkeiten klar, logisch und verständlich. Reaktionen machen Sinn. Warum z.B. sind die Türen zu, warum kommt René nicht raus? Wer hat seine Gelbörse „gestohlen“…? René wehrt sich tatkräftig gegen einen Einbrecher /einen Pfleger. Doch woher soll er wissen, wer dieser Wildfremde ist, der plötzlich in seinem Zimmer steht.

Das Buch hat mich beeindruckt, weil es ein gelungener Versuch ist die Krankheit zu beschreiben. Der Leser bekommt tatsächlich einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, wenn das Vergessen immer mehr Teile der Vergangenheit frisst. Es handelt sich aber auch um ein Plädoyer für eine andere Pflege. Eine Pflege, die versucht sich hineinzuversetzen und zu verstehen. Das was Alzheimer Patienten tun, macht Sinn. Die Angehörigen und Pflegenden müssen versuchen zu verstehen was der Sinn ist. Es ist aber auch eine Stellungnahme gegen das Ruhigstellen von Patienten mittels massiver Psychopharmakagabe oder Zwangsmassnahmen.

In meinen (Karin Weyer) Supervisionen von Pflegekräften geht es oft darum, sich besser einfühlen zu können. Zu versuchen zu verstehen, warum jene Dame agressiv mit Füssen tritt, wenn man doch nur versucht ihr die verdreckten Schuhe auszuziehen. Was würden Sie eigendlich tun, wenn jemand ihnen die Schuhe ausziehen will und sie nicht wissen, was los ist?

Das Buch von Steel Braam zeigt, dass Verstehen nötig und möglich ist. Somit eine empfehlenswerte Lektüre sowohl für Pflegekräften, die ihre Empathiefähigkeit schulen wollen, als auch Angehörigen, die verständnislos den Veränderungen gegenüberstehen.

Stelle Braam(2007) Ich habe Alzheimer.Wie die Krankheit sich anfühlt.Weinheim, Basel: Belz ISBN 978-3-407-85763-7

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Karl Heinz Brisch: Bindungsstörungen

Für mich (Susanne Stroppel) war das Lesen dieses Buches mit dem Erleben von „Flow“ verbunden. Es hat meine ganze Aufmerksamkeit gefesselt, ich habe mich innerlich angeregt und lebendig gefühlt, voller Neugierde und Offenheit.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit erzähle ich einfach ein bischen von meinen persönlichen „Highlights“.

Im ersten Kapitel beschreibt Karl Heinz Brisch die Entwicklung der Bindungstheorie in einem historischen Rückblick. Spannend geschrieben, leicht verständlich, inclusive lebensgeschichtlichem Hintergrund von Bowlby. Selbst erst seit relativ kurzer Zeit mit aktuellen Erkenntnissen der Bindungsforschung beschäftigt, kannte ich von deren Geschichte nur einzelne Puzzleteile. Jetzt hat sich für mich eine Lücke geschlossen, ich habe ein vollständigeres Bild.

Im Weiteren erläutert der Autor die Relevanz bindungstheoretischer Erkenntnisse für die Gestaltung psychotherapeutischer Prozesse. Ausgangspunkt ist das Postulat, dass das Bindungssystem aktiviert ist, wenn sich ein Mensch hilfesuchend z.B. an eine Psychotherapeutin wendet. Somit sei die Kenntnis der verschiedenen Bindungsmuster und ihrer Entstehungsbedingungen für alle Heilberufe von grösster Bedeutung. Das Wissen um verschiedene Bindungsstörungen erleichtere es, Klient/innen besser zu verstehen und das therapeutische Vorgehen darauf auszurichten.

In vielen Fallbeispielen unterschiedlicher Bereiche der klinischen Praxis zeigt der Autor, wie dies aussehen kann. Die lebendigen, vielfältigen Fallbeispiel waren für mich der wertvollste Teil des Buches. Karl Heinz Brisch stellt bei jedem Fall bindungsdynamische Überlegungen an, an denen er dann die Interventionen orientiert.

Was ich für meine Arbeit mitnehme:

Für mich als psychodynamisch arbeitende Therapeutin ist es spannend, klassisch psychodynamische Betrachtungsweisen um bindungsdynamische Überlegungen zu berreichern. Ich kann mein bindungstheoretisches Wissen jetzt viel gezielter und differenzierter in meiner psychotherapeutischen Praxis nutzen.

In diesem Zusammenhang habe ich begonnen, das Adult Attachment Interview, das sich im Anhang des Buches befindet, diagnostisch zu nutzen, um die Bindungsrepräsentationen von Klient/innen zu erfassen. Dabei ist mir die detaillierte Beschreibung der Bindungsrepräsentationen in dem Buch eine grosse Hilfe.

Beeindruckt und ermutigt hat mich die Bereitschaft des Autors, klassisch psychodynamische Wege und schulenübergreifende Konventionen auch mal zu verlassen, wenn dies die individuelle Bedürfnislage und Lebenssituation eine/r Klient/in erfordert.

Gefallen hat mir auch, dass an mehreren Stellen deutlich wird, dass „Bindung“ für Karl-Heinz Brisch nicht nur theoretisches Wissen, sondern bewusst gelebte Erfahrung ist. So schreibt er zu Beginn, wie hilfreich und notwendig es für die Arbeit war, „Bindungen über Fachgrenzen hinweg herzustellen und aufrechtzuerhalten. Am Schluss „Eine gute, bindungsorientierte therapeutische Arbeit ist nur möglich, wenn der Therapeut selbst in ein Netz von Beziehungen eingebunden ist, die für sein Leben und seine emotionale Bindung die sichere Basis darstellen“.

Auch in KaSu-Institut ist es uns ein zentraler Wert, in vielfältiger Weise bindungsorientiert zu leben und zu arbeiten und wir können aus unserer Erfahrung nur bestätigen, was der Autor diesbezüglich formuliert.

Brisch, Karl Heinz: Bindungsstörungen. Von der Bindungstheorie zur Therapie. 2006 (7. Auflage). Stuttgart: Klett-Cotta. ISBN: 3-608-94184-3

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