BUCHTIP: André Stern: …und ich war nie in der Schule.

In diesem Buch beschreibt André Stern, ein in den 70er Jahren in Paris aufgewachsener Junge, wie er seinen Selbstbildungsprozess gestalten konnte. André war nie in der Schule, was nicht heisst, dass er nichts gelernt hat. Im Gegenteil. Er entwickelte sich zu einem umfassend gebildeten Künstler und Instrumentenbauer nach dem Motto: Kinder lernen gerne – wenn man sie in Ruhe lässt.

Die nötige Ruhe entsteht durch Eltern, die ein reiches Umfeld für Kinder schaffen. Ein Umfeld welches Anregungen bietet, Anregungen aus der realen tätigen Welt. Ein Umfeld, welches die Interessen des Kindes erkennt, zulässt und weitere Anregungen bietet. So entsteht ein Umfeld voller Vertrauen, ohne Prüfungen, ohne Verrat, ohne Druck oder Furcht, dafür aber mit viel Spass, Flowerleben und spannenden Erkenntnissen.
Der Selbstbildungsprozess, der in dem Buch beschrieben wird, ist alles andere als ein einsamer Weg. Das Interesse und die Initiative geht vom Kind aus, die Eltern stellen Material, Lehrer… zur Verfügung. Die Eltern lassen das Kind sich entfalten, seinen Interessen folgen, nehmen ernst und bieten Anregungen.

Das Buch beschreibt einen eigenen und sicher auch einzigartigen Weg des Erwerbs von Wissen. Aber, so frage ich (Karin Weyer) mich, sind nicht alle Wege zum Wissen und zur Bildung EIGEN und INDIVIDUELL und EINZIGARIG ? Ob diese Bildung in Schule oder nicht passiert ist vielleicht zweitrangig, sofern die Schule den Prozess nicht blockiert oder verhindert.

Das Buch von André Stern stellt viele Grundannahmen oder Vorurteile über Schule, Schulpflicht und Lernen in Frage und das ist gut so. Um die Zukunft zu denken, braucht es in Schule oder besser in der Bildung neue Blickwinkel. Das sind wir den Kindern schuldig, wenn wir sie auf die Welt von morgen und nicht auf die von gestern vorbereiten wollen.

Stern, André: … und ich war nie in der Schule. Geschichte eines glücklichen Kindes.
Gütersloh: Zabert Sandmann. 2009. ISBN: 978-3-89883-228-1.

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Die heiligen Kühe und die Wölfe des Wandels

AUS DEM PROLOG:

„Als Günter Grass in einem Fernsehinterview gefragt wurde, wie sich Kalkutta seit seinem ersten Aufenthalt 1990 verändert habe, war seine Antwort: Man kommt viel besser mit dem Taxi durch die Stadt. Die vielen heiligen Kühe, die früher den Verkehr sehr behinderten, sind verschwunden.“

„Nicht nur in Indien, auch hierzulande stoßen wir, wenn wir in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Veränderung bewirken wollen, auf heilige Kühe, auf unausgesprochene Tabus, auf die Götzen des Status quo.“

„Während die Realität die Innovationskraft aufs Äußerste herausfordern, schreitet der Wandel im Inneren zu zögerlich voran.“

„Dies ruft uns auf, neu zu bewerten, was wir unter harten und weichen Faktoren der Veränderung verstehen. Die wirklich harten Faktoren sind die kulturellen. Es sind jene geistigen Vorannahmen, Grundüberzeugungen und Werthaltungen, die wir als selbstverständlich und gegeben hinnehmen und die als heilige Kühe die öffentlichen Räume unserer Kultur bevölkern.“

„Der Wandel, so hört man oft sagen, beginnt in den Köpfen. Hier ist die Gebrauchsanweisung.“

Neugierig geworden?
Lesen lohnt sich!

Schlehuber, Elke & Molzahn, Rainer: Die heiligen Kühe und die Wölfe des Wandels. Warum wir ohne kulturelle Kompetenz nicht mit Veränderungen klarkommen. Hamburg: GABAL Verlag. 2007. ISBN: 978-89749-666-8

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Brisch, Karl Heinz & Hellbrügge, Theodor (Hrsg.): Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft

Nachdem die Bedeutung sicherer Bindungen für eine gesunde kindliche Entwicklung fachlich eindeutig belegt ist, geht es jetzt geht es darum, das Wissen der Bindungsforschung in unterschiedlichen Praxisfeldern anzuwenden.

Karin und Klaus Grossmann bilden mit „Fünfzig Jahre Bindungstheorie: Der lange Weg der Bindungsforschung zu neuem Wissen über klinische und praktische Anwendungen“ den Auftakt des Buches.

Es folgen spannende Aritkel über die Relevanz bindungstheoretischen Wissens in den Feldern ausserfamiliäre Tagesbetreuung, Schule, Adoption und Pflegekinderwesen, Scheidung und psychische Störungen.

Besonders beeindruckt haben mich (Susanne Stroppel) ein Artikel von Richard Bolwby über ein innovatives Tagesbetreuungsmodell in London (Sieben selbständig arbeitende Tagesmütter kümmern sich um jeweils drei kleine Kinder – jedoch nicht im eigenen Haushalt, sondern im Soho Family Centre) sowie Ausführungen von Bob Marvin über das Verständnis von oppositionellem und zerstörerischen Verhaltens von Kindern aus bindungstheoretischer Perspektive.

Brisch, Karl Heinz & Hellbrügge, Theodor (Hrsg.): Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft. Prävention, Begleitung, Beratung und Psychotherapie. Stuttgart: Klett-Cotta. 2009. ISBN: 978-3-608-94509-6.

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Reddemann, Luise: Würde – Annäherung an einen vergessenen Wert in der Psychotherapie

Ich (Susanne Stroppel) bin schon seit langem ein großer „Fan“ von Luise Reddemann, gerade weil ich sie in all ihren Büchern und auch Vorträgen immer als sehr wertebildend erlebt habe. Dabei hat sie sich noch nie gescheut, gerade auch Werte zu vertreten, die nicht mehr „in“ sind, wie z.B. die des Feminismus.

Nun hat sie einem – aus ihrer Perspektive in der Psychotherapie vergessenen Wert – ein eigenes Buch gewidmet: der Würde.

Wie ist „Würde“ definiert? Und was hat Würde mit Psychotherapie zu tun? Wo es doch für uns (Psychotherapeut/innen) selbstverständlich ist, unseren Klient/innen wertschätzend zu begegnen?

Luise Reddemann formuliert „Annäherungsversuche“, die mehr öffnen und anregen, als die Fragen abschliessend beantworten. Hier ein paar „Appetizer“:

Würdevoll ist, wer DAS GESAMTE SPEKTRUM MENSCHLICHER MÖGLICHKEITEN (alle Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen und Handlungsimpulse) wahrnimmt und AKZEPTIERT (vgl. S.22).

Würde zeigt sich in in einem WÜRDEVOLLEN UMGANG MIT DEM MACHBAREN BZW. DEM NICHT MACHBAREN (vgl. S. 28). Für Menschen in helfenden Berufen geht es hier um die Spannng zwischen Helfenwollen und Respekt vor der Würde des Kranken. „Ich hörte den Wunsch eines Flüchtlings, der um Verstehen bat, nicht um Hilfe. Hilfe würde ihn klein machen“. (S. 40)

In diesem Zusammenhang gibt es eine WÜRDE DER VERLETZLICHKEIT, die nur achten kann, wer sich selbst mit seiner Ohnmacht und Verletzlichkeit akzeptieren kann (vgl. S. 112).

ZUR MENSCHLICHEN WÜRDE GEHÖRT DAS UNVOLLKOMMENE UND UNVOLLENDETE. Hier zitiet Luise Reddemann Viktor Frankl: „Denn wer da meint, ein Menschenleben müsse ein Schreiten von Erfolg zu Erfolg sein, der gleicht wohl einem Toren, der kopfschüttelnd an einer Baustelle steht und sich wundert, dass da in die Tiefe gegraben wird, da doch ein Dom entstehen soll. Gott baut sich einen Tempel aus jeder Menschenseele.“ (S. 112)

Es gibt GESELLSCHAFTLICH BEDINGTE WÜRDEVERLETZUNGEN – Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Armut. Diese als Psychotherapeut/in zur Kenntnis zu nehmen ist Luise Reddemann wichtig. „Können wir ohne Zurkenntnisnahme gesellschaftlich bedingter Würdeverletzungen handeln, unseren PatientInnen helfen? Vielleicht begnügen sich manche von uns etwas zu sehr mit den inneren Vorgängen. Zweifellos gibt es PatientInnen, für die der ausschließliche Blick auf die Innenwelt heilsam ist. Aber sind das nicht die stabileren, die, die in sogenannten geordneten Verhältnissen leben? Was ist mit den vielen, die täglich mehr werden, die das nícht haben? Diesen Verhältnissen keinen Raum in der Therapie geben und hoffen, dass die Therapie schon helfen wird? Nein …“ (S.42)

Es gibt „auch so etwas wie eine WÜRDE DES ZORNS ÜBER UNGERECHTIGKEIT, … Empörung über Missverhältnisse“ (S. 41).

Das Buch birgt viele weitere anregende Gedanken und auch konkrete Vorschläge für eine würdevolleren Umgang mit unseren Klient/innen.

Lesen lohnt sich – nicht nur für Psychotherapeut/innen, sondern für alle Angehörigen sog. helfender Berufe.

Reddemann, Luise: Würde – Annäherung an einen vergessenen Wert in der Psychotherapie. Stuttgart: Klett-Cotta. 2008. ISBN: 978-3-608-89066-2

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Dokumentation der Fachtagung der Zentralen Adoptionsstelle des Landschaftsverbandes Rheinland: „Gleichgeschlechtliche Paare leben mit Kindern – auch mit Pflege- und Adoptivkindern?“

Die Frage ist: Können Lesben und Schwule überhaupt gute Pflegeeltern abgeben? Ist das Kindeswohl bei dieser Zielgruppe gut aufgehoben?

Was uns im Rahmen unserer Bemühungen, ein Pflegekind bei uns aufzunehmen, begegnet ist:

Kinder brauchen ein männliches Rollenvorbild; Pflegekinder sind sowie schon anders als andere Kinder – sie sollen sich jetzt nicht dadurch noch mehr unterscheiden, dass sie bei homosexuellen Pflegeeltern aufwachsen („doppelte Stigmatisierung“); Pflegekinder haben das Vertrauen in Frau und Mann verloren – ergo brauchen sie Frau und Mann um dieses Vertrauen wieder aufzubauen; lesbische Pflegeeltern könnten zu wenig männlich konnotierte Erfahrungswelten vermitteln; … oder etwas weniger intellektuell – der Dokumentation der Fachtagung entnommen – „Was zwei erwachsene Männer in ihren eigenen vier Wänden machen, ist mir egal. Aber dass bei denen Kinder aufwachsen, das kann doch nicht sein, das geht zu weit“ (S. 8).

Für Dr. Pascal Belling vom Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (NRW) „handelt es sich im Kern nicht um das Kindeswohl – obwohl dies vordergründig gerade so aussieht! -, sondern es geht um Unkenntnis und Ignoranz, was gleichgeschlechtliche Lebensweisen betrifft und um Phantasien und Ängste, was sich in lesbischen und schwulen Partnerschaften eigentlich abspielt“ (S.8). An dieser Stelle möchten wir gerne ergänzen: Es geht auch um Unkenntnis und Ignoranz, was kindliche Grundbedürfnisse betrifft. Was braucht ein Kind, um sich zu einem seelisch gesunden Erwachsenen zu entwickeln? Was braucht ein Kind, um eine stabile (Geschlechts)Identität und ein flexibles Geschlechtsrollenverhalten zu entwickeln? Hat ein Pflegekind, das vielleicht seinen biologischen Vater nie gesehen hat, wirklich das Vertrauen in den Mann (was auch immer damit gemeint ist) verloren? Was braucht ein Kind, das Vertrauen in Frau und Mann verloren hat? Frau und Mann, um wieder Vertrauen zu gewinnen? Oder vielleicht einfach feinfühlige, geduldige, liebevolle, stabile und zuverlässige Menschen die dem Kind helfen, Vertrauen in andere Menschen, in sich und die Welt zu gewinnen? Was sind Anforderungen an gute Pflegeeltern? Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen?

Zurück zur Fachtagung. Für Hr. Dr. Pascal Belling ist „die Beschäftigung mit der Frage, ob Lesben und Schwule überhaupt gute Eltern abgeben können, ob das Kindeswohl bei dieser Zielgruppe gut aufgehoben ist, in Wirklichkeit eine Stellvertreterdiskussion“. Dahinter stehe seines Erachtens etwas ganz anderes. „Nämlich die Gretchenfrage: Was ist meine ureigenste Haltung gegenüber Homosexualität“. Weiter äußert er die Ansicht „dass, wenn Sie in Ihrem Arbeitsalltag mit der Fragestellung „dient das Leben / die Unterbringung bei homosexuellen Eltern dem Wohl des Kindes“ konfrontiert werden, dass es dann in aller Regel nicht mit einer rein sachlich-fachlichen Faktenvermittlung oder mit nüchternem Fachwissen getan ist, sondern dass vielmehr so etwas wie eine grundlegende Aufklärungsarbeit zum Abbau von Vorurteilen von Nöten sein wird“ (S.9).

Das Leben bei gleichgeschlechtlichen orientierten Pflegeeltern dient ganz ausdrücklich dem Kindeswohl und auch dem Wohl der Gesellschaft.

Dies ist Ergebnis vieler Studien und Erfahrungen und wurde auf der Fachtagung von mehreren Referenten und Referentinnen zum Ausdruck gebracht.

Hier Beispiele für potenziell positive Auswirkungen gleichgeschlechtlicher Pflegeelternschaft:

„Das Leben bei gleichgeschlechtlich orientierten Eltern fördert die soziale Kompetenz von Pflege- und Adoptivkindern … weil lesbische Mütter und schwule Väter erwiesener Maßen eine positive Beziehung zu ihren Kindern aufbauen, eine stabile Umwelt für sie bereit stellen, eine hohe Responsivität (d.h. Reaktion auf kindliche Signale) aufweisen und in ihren Erziehungsmaßnahmen kindzentriert sind und vor allem weil Lesben und Schwule ihre Kinder zu Empathie und Toleranz erziehen“
(Belling, S. 15).

„Kinder können Respekt, Sympathie und Toleranz gegenüber dem mulitkulturellen Umfeld, in dem andere leben, lernen“. (Belling, S.15)

„Sie haben die Chance unterschiedliche Interpretationen des Geschlechtsrollenverhaltens zu erleben und sie haben die Freiheit, in persönlichen und intimen Beziehungen egalitäre Rollen zu entwickeln.“ (Belling, S. 15)

„Sie können ein Verständnis dafür entwickeln, dass Familien nicht nur auf biologischen Beziehungen sondern vielmehr auf Liebe, eigenen Lebensentwürfen und freier Wahl basieren können“. (Belling, S.15)

„Die größte Gabe, die homosexuelle Eltern ihren Kinder geben können, ist die Chance, in einem gleichberechtigten Elternhaus aufzuwachsen und ein Bewusstsein für den Wert von Differenz vermittelt zu bekommen.“ (Studie der London School of Economics, zitiert von Belling, S.15)

„Unsere Tochter wächst in einem Lebensumfeld auf, in dem sie eine Vielfalt von Lebensformen erfahren kann. Sie lernt anhand unseres Modells, dass man sich aus vielen Möglichkeiten von Rollen und Neigungen einen ganz individuellen Rahmen gestalten kann, der am besten zu einem passt.“ (Frau Janto, lesbische Mutter einer 4jährigen Tochter, S. 23)

„Kinder aus Regenbogenfamilien sind für den Umgang mit Vorurteilen gut gerüstet und können ein besonders gutes Stigmamanagement entwickeln, was ihnen auch in vielen anderen Lebenssituationen hilft“. (Karola Berlage und Stefan Meschig, S. 27)

Und last but not least profitiert auch die GESELLSCHAFT von gleichgeschlechtlichen Pflegeeltern:

„Familie verändert sich. Das alte Bild von Vater, Mutter, Kind, Kind verliert mehr und mehr seinen Leitbildcharakter. Mit dem Wandel der Geschlechterrollen, der Emanzipation wird die Familie bunter.“ (Markus Schnapka, Landesrat)

„Regenbogenfamilien tragen dazu bei, dass unsere Welt vielfältig und bunt bleibt“ (Karola Berlage und Stefan Meschig)

„Regenbogenfamilien tragen gesamtgesellschaftlich zu einer Aufwertung sozialer Elternschaft bei“ (Karola Berlage und Stefan Meschig, S. 27)

Für Interessierte hier der Link zur gesamten Dokumentation der Tagung: www.lvr.de/jugend/fachthemen/zentr.+adoptionsstelle/
dokumentationgleichgeschlechtliche.pdf

Landesjugendamt (NRW)
Fachtagung der Zentralen Adoptionsstelle
03.07.2002
Gleichgeschlechtliche Paare leben mit Kindern – auch mit Pflege- und Adoptivkindern?

Herausgeber:
Landschaftsverband
Dezernat 4
Zentrale Adoptionsstelle

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Die Entdeckung der frühen Jahre Die Initiative McKinsey bildet. zur frühkindlichen Bildung

„Wer an den Kindern spart, wird in Zukunft verarmen“

lautet das Motto der Initiative McKinsey bildet.

Es begann im Januar 2005 in Berlin-Mitte mit der ersten von insgesamt vier Bildungswerkstätten, zu denen McKinsey einlud. Nach 9 Monaten Vorbereitung folgte dann im Oktober der große Kongress „Frühkindliche Bildung“. 400 Teilnehmer aus Kindergärten, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Kultur und auch aus der Politik kamen zusammen, um sich zu informieren und zu diskutieren.

Zwei DVDs mit insgesamt neun Stunden Filmmaterial bieten eine 50-minütige Dokumentation über die Initiative McKinsey bildet, zehn filmische Impressionen die vertiefende Einblicke in Kitas und in die Themen der Werkstattgespräche bieten sowie Ausschnitte aus 19 Vorträgen.

Beeindruckend sind die Aufbruchsstimmung und der folgende sich manifestierende Paradigmenwechsel:

VON BETREUUNG ZUR BILDUNG

VON DER PERSPEKTIVE DER ERWACHSENEN ZUR PERSPEKTIVE DER KINDER

VOM PÄDAGOGEN ALS AGENTEN DER VERGANGENHEIT ZUM LOTSEN IN DIE ZUKUNFT

VON EINER INDUSTRIE- ZU EINER WISSENS- ODER IDEENGESELLSCHAFT

VON DER GERINGSCHÄTZUNG DER KINDERBETREUUNG ZU DIE BESTEN PÄDAGOGEN FÜR DIE KLEINEN

VON BILDUNG ALS BELASTENDEN KOSTENFAKTOR ZU BILDUNG ALS INVESTITION MIT EINER HOHEN RENDITE

Das sind nur einige Beispiele der mentalen Umbauten, die sich auf dem Kongress abzeichnen.

Eine absolut lohnenswerte Anschaffung für alle, die sich für frühkindliche Bildung interessieren und egagieren!

Die Entdeckung der frühen Jahre. Die Initiative McKinsey bildet. zur frühkindlichen Bildung. Filmdokumentation und Buch von Reinhard Kahl. Originalausgabe April 2006. Verlag: Archiv der Zukunft – Produktionen.
ISBN: 3-407-85771-3

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Guide bibliographique de l homoparentalité

Studien über Studien zur Elternschaft von Homosexuellen. Die Zeit der Allgemeinplätze zu Lesben und Schwulen als Eltern sollte nun endgültig vorbei sein. Zu so gut wie jedem Aspekt gibt es wissenschaftliche Studien.

Die Anzahl der inzwischen existierenden Studien ist in dem letzten Jahrzehnt gewachsen und eins wird dadurch sehr deutlich:

„Quels que soient les modalités de l arrivée d un enfant dans un foyer homoparental (insémination artificielle, coparentalité, maternité pour autrui, adoption, enfant issus d une union héterosexuelle) et la configuration spécifique de chaque famille, il n y a pas de différences significatives sur le plan du développement psychosocialt entre l enfant de parents gays ou lesbiens et l enfant de parents héterosexuels.“ (S.9)

Wie auch immer ein Kind in einem Elternhaus mit homosexuellen Eltern gelandet ist (Insemination, Ko-Elternschaft, Leihmutter, Adoption, Kinder aus heterosexuellen Beziehungen) und wie auch immer die spezielle Familie sich darstellt, es gibt keine signifikativen Unterschiede in der psychosozialen Entwicklung zwischen Kindern die bei schwulen oder lesbischen Eltern aufwachsen gegennüber Kindern die bei heterosexuellen Eltern aufwachsen.(Übersetzung KaSu-Institut).

Wir hoffen sehr, dass in Zukunft dieses Kompendium von allen, die sich mit dem Thema beschäftigen, gelesen und genutzt wird. Nur so kann die Diskussion auf einem Niveau stattfinden welches über persönliche Ansichten und Meinungen ja und auch Vorurteile hinausgeht.

In dem Kompendium werden Studien zu juristischen, philsosphisch und politischen, psychologisch und medizinischen, soziologischen und anthropologischen Aspekten aufgeführt.

Association des Parents Gays et Lesbiennes (APGL): Guide bibloiographique de l homoparentalité. Edition 2007. Paris. ISBN : 978-2-9512721-3-2

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Reddemann, Luise: Würde – Annäherung an einen vergessenen Wert in der Psychotherapie

Ich (Susanne Stroppel) bin schon seit langem ein großer „Fan“ von Luise Reddemann, gerade weil ich sie in all ihren Büchern und auch Vorträgen immer als sehr wertebildend erlebt habe. Dabei hat sie sich noch nie gescheut, gerade auch Werte zu vertreten, die nicht mehr „in“ sind, wie z.B. die des Feminismus.

Nun hat sie einem – aus ihrer Perspektive in der Psychotherapie vergessenen Wert – ein eigenes Buch gewidmet: der Würde.

Wie ist „Würde“ definiert? Und was hat Würde mit Psychotherapie zu tun? Wo es doch für uns (Psychotherapeut/innen) selbstverständlich ist, unseren Klient/innen wertschätzend zu begegnen?

Luise Reddemann formuliert „Annäherungsversuche“, die mehr öffnen und anregen, als die Fragen abschliessend beantworten. Hier ein paar „Appetizer“:

Würdevoll ist, wer DAS GESAMTE SPEKTRUM MENSCHLICHER MÖGLICHKEITEN (alle Gefühle, Gedanken, Körperempfindungen und Handlungsimpulse) wahrnimmt und AKZEPTIERT (vgl. S.22).

Würde zeigt sich in in einem WÜRDEVOLLEN UMGANG MIT DEM MACHBAREN BZW. DEM NICHT MACHBAREN (vgl. S. 28). Für Menschen in helfenden Berufen geht es hier um die Spannng zwischen Helfenwollen und Respekt vor der Würde des Kranken. „Ich hörte den Wunsch eines Flüchtlings, der um Verstehen bat, nicht um Hilfe. Hilfe würde ihn klein machen“. (S. 40)

In diesem Zusammenhang gibt es eine WÜRDE DER VERLETZLICHKEIT, die nur achten kann, wer sich selbst mit seiner Ohnmacht und Verletzlichkeit akzeptieren kann (vgl. S. 112).

ZUR MENSCHLICHEN WÜRDE GEHÖRT DAS UNVOLLKOMMENE UND UNVOLLENDETE. Hier zitiet Luise Reddemann Viktor Frankl: „Denn wer da meint, ein Menschenleben müsse ein Schreiten von Erfolg zu Erfolg sein, der gleicht wohl einem Toren, der kopfschüttelnd an einer Baustelle steht und sich wundert, dass da in die Tiefe gegraben wird, da doch ein Dom entstehen soll. Gott baut sich einen Tempel aus jeder Menschenseele.“ (S. 112)

Es gibt GESELLSCHAFTLICH BEDINGTE WÜRDEVERLETZUNGEN – Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Armut. Diese als Psychotherapeut/in zur Kenntnis zu nehmen ist Luise Reddemann wichtig. „Können wir ohne Zurkenntnisnahme gesellschaftlich bedingter Würdeverletzungen handeln, unseren PatientInnen helfen? Vielleicht begnügen sich manche von uns etwas zu sehr mit den inneren Vorgängen. Zweifellos gibt es PatientInnen, für die der ausschließliche Blick auf die Innenwelt heilsam ist. Aber sind das nicht die stabileren, die, die in sogenannten geordneten Verhältnissen leben? Was ist mit den vielen, die täglich mehr werden, die das nícht haben? Diesen Verhältnissen keinen Raum in der Therapie geben und hoffen, dass die Therapie schon helfen wird? Nein …“ (S.42)

Es gibt „auch so etwas wie eine WÜRDE DES ZORNS ÜBER UNGERECHTIGKEIT, … Empörung über Missverhältnisse“ (S. 41).

Das Buch birgt viele weitere anregende Gedanken und auch konkrete Vorschläge für eine würdevolleren Umgang mit unseren Klient/innen.

Lesen lohnt sich – nicht nur für Psychotherapeut/innen, sondern für alle Angehörigen sog. helfender Berufe.

Reddemann, Luise: Würde – Annäherung an einen vergessenen Wert in der Psychotherapie. Stuttgart: Klett-Cotta. 2008. ISBN: 978-3-608-89066-2

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Landgrebe, Gitte et al: Mehr Erfolg durch Qualität für Trainer/innen, Berater/innen, Coachs

Bislang hatte ich (Susanne Stroppel) keinen rechten Zugang zu Qualitätsentwicklung. Vielleicht, weil ich in Deutschland im Zusammenhang mit dem „Zertifizierungsboom“ viel „Zertifikats“- oder „Schein“Qualität (S.10) erlebt hatte.

Dennoch: Die Weiterentwicklung unserer Qualität war uns natürlich ein großes Anliegen und wir haben nach Information und „Anleitung“ gesucht.

Gefunden haben wir das EFQM-Modell, was jedoch nicht explizit für unseren Arbeitsbereich entwickelt wurde. Vieles hat einfach nicht für unsere Situation gepasst und das war unbefriedigend.

Vor einigen Monaten erschien schliesslich das Buch „Mehr Erfolg durch Qualität für Trainer/innen, Berater/innen, Coachs“. Eine der Autor/innen, Gitte Landgrebe, hat Karin während ihrer Tätigkeit im Ministerium für Chancengleichheit kennen und schätzen gelernt. Wie zu erwarten war, hat das Autorenteam das EFQM-Modell anwendungsfreundlich speziell auf den Bereich Trainer/innen Berater/innen Coachs übertragen.

Wir starteten unseren 2. Versuch in Sachen modellgeleitete Qualitätsentwicklung. Unsere Identifikation mit diesem Modell sicherte bereits die erste Seite des ersten Kapitels: „Qualitätsentwicklung … richtet den Fokus nicht auf die Einhaltung von Vorgaben, sondern auf Innovation und kontinuierliches Lernen“.

Bis jetzt haben uns das Buch sowie die Selbstbewertungsbögen, Checklisten, Arbeitsblätter und Instrumente (auf CD-Rom) zu einigen Innovationen angeregt und gelernt haben wir auch viel.

Einen Einblick in die Inhalte von Qualitätsentwicklung erhalten Sie im gleichnamigen Artikel unter der Rubrik „Entwicklungen bei KaSu“ in dieser Newsletter.

So macht Qualitätsentwicklung Spaß! Wir können das Buch nur empfehlen!

Gitte Landgrebe, Franz Knist, Wolfgang Böhm, Günther Frosch: Mehr Erfolg durch Qualität für Trainer/innen, Berater/innen, Coachs. Offenbach: Gabal Verlag, 2008. ISBN: 978-3-89749-809-9

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