Ich gebe mein Kind in die Creche – das schadet ihm doch nicht!? Was Eltern wissen müssen.

Wir veröffentlichen diesen ca. 6 Jahre alten Artikel im Kontext und im Sinne der Unterstützung der Petition „Mei Elteren – manner Staat“. Obgleich es Bemühungen gibt, die bemängelte Qualität zu verbessern, hat sich an den Rahmenbedingungen kaum etwas geändert. Was sich geändert hat: Immer mehr Einrichtungen praktizieren eine elternbegleitete Eingewöhnung. Sie können jedoch im Anschluss an die Eingewöhnung oft nicht gewährleisten, dass die eingewöhnende Erzieherin auch anwesend ist, um morgens das Kind in Empfang zu nehmen.

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Der andere Papa

Letztens erzählte uns ein befreundeter Papa folgende Begebenheit im Kindergarten seines jüngsten Kindes.

Der Vater holte seinen Sohn im Kindergarten ab. Ein Mädchen näherte sich ihm und fragte:“Wer bist du?“ Darauf der Vater: „Ich bin der Papa von Paul[i].“ Das Mädchen sagte darauf hin. „Der Papa von Paul ist doch der große dicke Mann.“ Pauls Papa antwortete: „Ich bin der andere Papa.“ Das Mädchen stürmte darauf hin zu Paul und rief: „Dein anderer Papa ist da“. Seit dem ist im Kindergarten klar: Paul hat einen Papa und einen anderen Papa. So einfach ist das.

Ich finde diese Anekdote so toll, weil sie deutlich macht, dass die Kinder die Dinge so nehmen wie sie sind. Paul hat eben zwei Papas. Punkt. Mehr muss dazu gar nicht gesagt werden. An dieser Stelle würde jedes Thematisieren der Familiensituation von Paul über das Ziel hinausschießen.

In Bilderbüchern zum Thema Regenbogenfamilien findet sich leider all zu oft noch dieses Problematisieren anstelle eines einfachen gleichwertigen Darstellens. So in dem Buch „Ina und der verschwunden Wurm“.[ii] Hier hat ein Mädchen, das mit zwei Mamas lebt, einen Regenwurm verloren und sucht ihn im ganzen Haus bei den anderen Mietern. Doch irgendwann kommen zwei Seiten, in denen die vermeidlich besondere Lebenssituation von Ina problematisiert wird. Wohlgemerkt – es handelt sich um ein Bilderbuch – also für die Altersgruppe der 2-5 jährigen.

Eine löbliche Ausnahme bildet da das Buch „König und König[iii]“. In diesem soll ein junger Prinz heiraten.  Am Ende der Brautschau verliebt er sich in einen anderen Prinzen, heiratet diesen und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Für Kinder ist ja erst mal alles was sie sehen, erleben etc. normal, bzw. alles ist Neu und alles ist Möglich. Dass es einen Nikolaus gibt, der einmal im Jahr Geschenke bringt wird genauso selbstverständlich angenommen, wie die Nachbarn, die ein Kamel im Garten haben oder das Mädchen mit den zwei Papas. Die Zeit des Problematisierens oder besser des weiteren Besprechens kommt erst, wenn die Kinder fragen. Und dann wie bei allen anderen Themen auch auf kindlichem Niveau mit kurzen Erklärungen.

Auf die Frage warum Paul zwei Papas hat, können sie folgendermaßen reagieren: „Weißt du, es gibt eben Menschen die sind anders. Also meist ist es so, dass ein Mann und eine Frau, sich kennen lernen. Oder nein lass es mich anders erklären, also bei den Bienen ist es so….. Gähn – das Kind ist schon längst über alle Berge, ohne eine Antwort erhalten zu haben.

Erstmal würde ja folgende Erklärung reichen: „Einige Kinder haben zwei Papas oder Mamas. Andere haben nur eine Mama und andere eine Mama und einen Papa.“ Und wenn dann noch Nachfragen kommen, kann man ja weiter reden, etwa wer gehört noch zur Familie, wie ist es bei dir, wie ist es bei Anna…

 



[i] Namen geändert

[ii] Dirk Zehender

[iii] Linda de Haan, Stern Nijland

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Vignette: Selbstwirksamkeit

Beobachtung auf dem Spielplatz

Ein kleines Mädchen, ca 2 Jahre, steht neben einem Spielgerät auf dem Spielplatz und  … nichts, das Mädchen tut nichts, es versucht nicht auf das Gerät zu klettern. Schaut das Gerät an und tut nichts. Irgendwann kommt der Vater und hebt das Kind auf das Gerät. Das Kind schaukelt ein bisschen und möchte dann gelangweilt wieder runter.

Kurz vorher hat sich ein anderes etwa gleichgrosses Kind gut 15 Minuten abgemüht und sass dann irgendwann freudestrahlend auf dem Spielgerät, spielt glücklich und klettert dann wieder runter.

Gedanken dazu:

Wie oft hat wohl das erste Kind schon die Erfahrung gemacht, dass sie etwas nicht durfte, dass sie nicht ausprobieren durfte. Was muss alles in einem kleinen Leben passiert sein, damit eine 2 Jährige es schon aufgegeben hat, zu versuchen. Dabei ist das Ausprobieren, das Versuchen und auch das Scheitern in dieser Lebensphase doch das, was Kinder aus sich heraus tun.

Und das andere Kind: Die Emsigkeit der Versuche, das Ausprobieren, das Scheitern, es hat immerhin 15 Minuten gedauert bis es geklappt hat, die Ausdauer und dann die Freude in dem Gesicht, das „Ich habe es geschafft“.

Welch wunderbare Lernerfahrung. Ausprobieren, sich anstrengen und noch und nochmal probieren und dann der Stolz etwas selber geschafft zu haben. Neben der Körperbeherrschung, der trainierten Geschicklichkeit und so machen Erkenntnissen über die Schwerkraft, ist diese Selbstwirksamkeitserfahrung für die kindliche Entwicklung so wichtig.

Wie oft greife ich selber ein? Wie oft lasse ich zu? Lasse ausprobieren? Wie oft musste, ich mich schon zurückhalten um nicht zu helfen, wenn meine Hilfe noch gar nicht gefragt wurde. In den Weiterbildungen und Supervisionen sage ich oft, dass die Erwachsenen sich mehr zurückhalten müssen, mehr da sein, mehr beobachten aber weniger eingreifen, die Kinder ihre Erfahrungen machen lassen. Das ist gar nicht so einfach, weil wir ja helfen wollen, und nützlich sein wollen. Oder ist es noch wichtiger das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Mich wichtig fühlen… Wie gut, dass die meisten Kinder uns da immer wieder mit einem entschiedenen ALLEIN darauf aufmerksam machen, um was es geht.

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Gut vorbereitet

In Supervisionen von Kinderbetreuungseinrichtungen begegnet mir immer wieder, dass die Mitarbeitenden mir sagen, dass sie die Kinder vorbereiten wollen. Die Crèches bereiten die Kinder auf den Précoce vor. So wird mit 2 Jährigen das Zählen geübt. 1-2-3 das soll jedes Kind auf Wunsch zählen können. Dann im Précoce wird auf die Vorschule vorbereitet, welche die Kinder wiederum auf die Grundschule vorbereitet. Eltern bringen ihre Kinder auch in Kinderbetreuungseinrichtungen, damit sie schon mal lernen ruhig zu sitzen und sich an Regeln zu halten, damit sie gut vorbereitet für die Schule sind.

LehrerInnen der Sekundarschulen wünschen sich, dass die Kinder besser auf das Lyceeum vorbereitet wären und Universitäten sowie Arbeitswelt sagen: „Die Kinder seien schlecht bzw. nicht vorbereitet auf den neuen Abschnitt“.

Wenn ein Kind nun trotz all diese Vorbereitungen dennoch erwachsen wurde, eine Ausbildung absolviert hat und eine Arbeit gefunden hat, dann haben sie diesen Vorbereitungswahn verinnerlicht. Nun bereitet ein jeder seine Karriere oder den nächsten Karriereschritt vor. Und so ab Anfang 50 gilt es dann den wohlverdienten Ruhestand vorzubereiten. Dort angekommen muss man sich aber schon auf ein eventuelles Alten- und Pflegeheim vorbereiten. Um dort – sie ahnen es – das eigene Ableben gut vorzubereiten. Dann erst ist endlich Schluss mit der Vorbereiterei.

Sind Sie also gut vorberietet? Sie können nicht früh genug anfangen und es gibt immer etwas vorzubereiten. Ist das nicht ein Leben in der gutvorbereiteten Zukunft anstatt im Hier und Jetzt mit den Zufällen des Alltags.

Egal, ich jedenfalls muss mich jetzt vorbereiten und zwar werde ich einen Kurs ausarbeiten: Gut vorbereitet in 5 Schritten! 🙂

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Thema: Homoelternschaft

Im Rahmen des Magazins Kloartext (RTL Luxemburg) wurde am Sonntag wurde eine Diskussionssendung zum Thema Homoelternschaft ausgestrahlt.

Hier der Link:

http://tele.rtl.lu/magazin/kloertext/363253.html

Vielleicht hat ja der ein oder die andere von euch trotz Weihnachtsvorbereitungen Lust, die    Kommentarfunktion von RTL zu nutzen, um die Diskussion etwas breiter zu machen.

Ein herzliches Dankeschön an Caroline Maart für Ihre achtsame Moderation. Besonders gefreut hat mich, dass Sie den Mut der Jugendlichen offen und öffentlich über ihr Leben bei Homoeltern zu reden, an gegebener Stelle sofort benannt haben.

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Lernerfahrungen in der realen Welt

Wir hatten das Glück, dass wir drei Monate täglich Handwerker im Haus hatten. Was der Alptraum vieler Familien mit Kindern ist, gestaltete sich für uns zu einer wertvollen Erfahrung. Heute möchten wir darüber berichten.

Das tätige Leben also direkt vor Ort. Viele moderne Pädagogen fordern ja, dass sich Bildungseinrichtungen hin zum tätigen Leben öffnen. Oder wie Royston Maldoom[i] es formuliert, sollen Kinder nicht Jahre abgeschottet von der Welt auf die Welt vorbereitet werden.

Unser Sohn hat mit 3 Jahren geholfen, eine Mauer zu bauen. Kein Projekt, das die Realität versucht ab- und nachzubilden, sondern die Mauer, die heute unsere Wohnzimmerwand ist.

 

Unser Dank geht an dieser Stelle vor allem an die Firma Drangmeister www.drangmeister.de, die Noel diese vielen tollen Erfahrungen machen ließ. Hagen Drangmeister und seine Mitarbeiter haben Noel liebevoll mit einbezogen in ihre handwerklichen Tätigkeiten. Sie haben die ein oder andere Brotzeit mit ihm geteilt. Wenn sie bohren mussten haben sie gewartet, bis Noel sich verzogen hatte, weil ihm Bohrlärm Angst macht.   

Erfahrungslernen und die Neugierde der Kinder nutzen. Ja, das klingt gut – nur die Neugierde richtet sich oft nicht auf das vermeintlich pädagogisch Sinnvolle, sondern auf das, was wir Erwachsenen für wichtig erachten und mit Ernst betreiben. Da sind auch Kinder mit Ernst bei der Sache. Ein Beispiel: „Noel. Komm wir essen.“ Sehr ernsthaft sagt Noel, der mal wieder mit Hagen handwerkt, darauf hin: „Nein Mama, das geht nicht. Ich muss noch fertig arbeiten.“ Wie wunderbar der Kleine hilft, mit Ernst bei der Sache ist und vorsichtig im Umgang mit Werkzeug. Ja, und das Essen konnte in dem Fall tatsächlich warten.

Hier noch ein kleiner Ausschnitt dessen, was er alles noch gelernt hat:

Berufe kennengelernt: von der Architektin, über den Schreiner, die Gartenbauer, die Verputzer, die Heizungsbauer, die Elektriker und Anstreicherinnen hat er alle Gewerke mitbekommen.

Alle Werkzeuge gesehen: Eines Abends, als wir noch auf der Baustelle waren und zu ihm sagten, er soll die Schleifmaschine liegen lassen, kam die prompte Antwort: „Mama das ist keine Schleifmaschine, das ist eine Flex.“

Arbeitshaltung: Arbeiten ist etwas Wichtiges und etwas Tolles. Eines Morgens um 6 Uhr stand er in voller Montur (Schutzbrille, Schutzhelm und Bohrmaschine) im Schlafzimmer und sagte „Hier kommt der Handwerker.“

 

 

 

 

Sich in einer nicht kindergesicherten Umgebung auch ohne pädagogische Aufsicht bewegen: Noel hat sehr schnell gelernt und verstanden, was wirkliche Gefahren sind. Er hat sich nie in eine gefährliche Situation gebracht. Seine Impulse musste er kontrollieren, z.B. das Haus nicht zu verlassen, auch wenn die Tür aufstand. Im Alltag ist er bezüglich Impulse kontrollieren kein Held, aber auf der Baustelle hat er es geschafft.

Wir können allen nur empfehlen, eine Baustelle im Haus zu nutzen. Manche Handwerker mussten sich erst daran gewöhnen, dass da immer wieder mal ein Kind mit auf der Baustelle war. Das haben wir ihnen einfach zugemutet. Wir waren ja schließlich die Auftraggeberinnen. Noel haben wir zugemutet, auch mal weggeschickt zu werden. Das hat eines Abends im Bett zu folgendem Dialog geführt.

Mama Susanne: „Hagen freut sich, wenn du ihm hilfst.“ Noel: „Die Gartenbauer mögen das nicht.“ Darauf folgte ein erstes langes Gespräch über die Verschiedenheit von Menschen. 

Heute sitzen wir im  Wohnzimmer, die Wand die Noel mitgebaut hat im Rücken und freuen uns auf die nun kommende ruhigere Zeit. 


[i] Royston Maldoom: englischer Choreograf, bekannt durch seine tanzpädagogischen Projekte mit Jugendlichen. Das bekannteste Projekt ist im Film „Rhythm Is It!“ dokumentiert

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BERICHTE AUS DER KASU-PRAXIS: Fachtagung 2009 – Rückblick und Ausblick

Jetzt ist es fast ein Jahr her, dass unsere Fachtagung zum Thema „Qualität in der außerfamiliären Klein(st)kindbetreuung bedeutet Beziehung“ stattgefunden hat. Zwischen den Teilnehmer/innen und den Einrichtungen aus Deutschland und Luxemburg fand ein lebendiger Austausch statt, was uns sehr gefreut hat – war dies doch eines unserer Hauptziele.

Nach einem Grußwort von Marie-Anne Rodesch (Ombudsfrau für Kinderrechte) hat Gilbert Pregno eine sehr engagierte, anregende und klare Einführung gehalten. Hier der Link: Einführung Gilbert Pregno Unser Tipp: Wirklich lesenswert!!!

In den Vorträgen und Ateliers im Anschluss waren über den ganzen Tag kindliche Grundbedürfnisse und deren Bedeutung für die Gestaltung außerfamiliärer Tagesbetreuung im Blick. Dr. Joachim Bensel Bensel(http://www.verhaltensbiologie.com/ –  sehr umfangreiche, informative und laufend aktualisierte Webseite!) setzte einen Schwerpunkt auf die immense Bedeutung einer ausreichenden elternbegleiteten Eingewöhnung und deren konzeptionelle Umsetzung,  z.B. nach dem Berliner Modell.

Hier ein kurzes Update der Entwicklungen auf luxemburgischer Seite seither:

1. Einige Crèches haben begonnen, die elternbegleitete Eingewöhnung einzuführen oder ihren bereits vorhandenen Ansatz ausgebaut. Andere informieren sich in spezifischen Weiterbildungen weiter zum Thema und wollen demnächst mit der Umsetzung beginnen.

2. Von vielen Eltern bekommen wir Rückmeldung, dass sie (auch nach unserer Veröffentlichung der Qualitätskriterien: http://www.kasu.lu/newsletter/dokumente/Kinderbetreuung-Artikel.pdf,  http://www.kasu.lu/dokumente/Ich_gebe_mein_Kind_in_die_Creche.pdf) gezielter nachfragen, was eigentlich in den Betreuungseinrichtungen passiert und warum. Eltern werden mutiger, ziehen die Anmeldung auch mal zurück oder nehmen ihr Kind wieder aus einer Einrichtung, wenn sie von deren Qualität nicht überzeugt sind.

Über beide Entwicklungen freuen wir uns sehr.

Wir danken allen Teilnehmer/innen und Unterstützer/innen, die der Tagung Leben und Farbe gegeben haben.

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ENTWICKLUNGEN BEI KASU: Veränderungen

Good Bye Luxembourg

Unser Leben in Luxemburg mussten wir beenden, um das Leben zu leben, das wir wollen – ein Leben mit Kind(ern). In Folge der Diskriminierung durch die luxemburger Institutionen, findet dieses Leben seit November 2009 in Deutschland statt. Mit KaSu-Institut sind wir weiterhin in Wasserbillig ansässig und so gehören wir nun dem großen Heer der Grenzgänger an.

Natürlich war das nicht nur ein Umzug. Innerlich war es auch schmerzvoll das Haus, das wir liebevoll renoviert hatten, aufzugeben. Das rückständige und unfachliche Vorgehen der Beteiligten im luxemburger Pflegekinderwesen und Jugendgericht hat uns entsetzt. Die Diskriminierungen zu verarbeiten tat weh.

Uns neu aus- und einrichten, mit einem wunderbaren Kind in unserer Mitte, war aufregend, aufwühlend und eine intensive Zeit. Aktuell sind wir dabei, uns in unserem neuen Zuhause in Deutschland zu beheimaten und zu verwurzeln.

Ab Januar 2011 haben wir für die Bereiche Psychotherapie und Einzelsupervision in dem Haus, in dem wir leben, einen Praxisraum angemietet. Wir freuen uns, unsere Einzelkund/innen dann hier begrüßen zu dürfen.

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