Projekt Erziehungspartnerschaft: 1. Schritte

Viele Kitas beschäftigt derzeit der Übergang von der klassischen Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft. Angestrebt wird eine engere Zusammenarbeit von Eltern und Erzieher/innen. Wir engagieren hierfür in der Kita unseres Sohnes und dokumentieren auf unserem Blog den Prozess. So möchten wir interessierten Eltern und pädagogischen Fachkräften transparent machen, was wir tun. Darüber hinaus besteht über die Funktion „Kommentar hinterlassen“ die Möglichkeit, eigene Erfahrungen etc. rückzumelden. Weiter ermöglicht die öffentliche Dokumentation eine Vernetzung mit anderen Einrichtungen, die sich ebenfalls auf diesen Weg machen wollen oder bereits gemacht haben. Hier erst mal die bisherigen Blogbeiträge:

Eltern in der Kita – von der klassischen Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft

Eltern und Erzieher/innen gemeinsam unterwegs – Projekt „Erziehungspartnerschaft

Brief an Eltern und Erzieher/innen

Gastbeitrag von Anja Niemand: Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern und Mitarbeitern im Kindergarten Wilde 9

Die Welt trifft sich im Kindergarten – und diese Welt ist bunt

Fachkraft für Erziehungspartnerschaften

Um die Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern weiterzuentwickeln, haben wir -wie bereits berichtet – eine Projektgruppe gegründet – bestehend aus der Leitung, Erzieherinnen und Eltern.

Wir – als KaSu – vertreten, dass Projekte/Weiterbildungen etc.  so strukturiert sein sollten, dass das Ziel bereits im Prozess verwirklicht wird. Wenn das Ziel also eine bessere Zusammenarbeit von Kita und Eltern ist, sollten optimalerweise an diesem Prozess alle Beteiligten bereits zusammenarbeiten.

Dieses Vorgehen macht aus zwei Gründen Sinn. Zum einen ist die Beteiligung von Leitung, Erzieherinnen und Eltern nötig. Ohne Leitung geht es nicht – was sie nicht mitträgt, hat keine Chance verwirklicht zu werden. Ohne Erzieher/innen geht es nicht – was diese nicht umsetzen, passiert nicht. Ohne Eltern geht es nicht – ohne diese hat ein Angebot zur Zusammenarbeit keine Chance auf Erfolg. Zum anderen macht man dann auf dem Weg schon Erfahrungen der Zusammenarbeit und kann die neue Haltung einüben.

Erziehungspartnerschaft kennzeichnet v.a. eine neue Haltung – „Eine Haltung des Respekts, des Dialoges, des vorurteilsbewussten und kultursensiblen und dem Menschen zugwandten Handelns“ (Roth, Xenia 2014 : Handbuch Elternarbeit. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft in der Kita. Freiburg: Herder Verlag). Die Aneignung einer neuen Haltung  erfordert ein beständiges Üben – und die Herstellung eines geeigneten Rahmens für dieses Einüben. Der Rahmen, den wir für das erste Treffen (das am 22. Januar von 18:30 – 21:00 in der Kita stattfand) gestaltet haben, hatte folgende Merkmale:

  1. Schutzraum: Wir haben eine Schweigepflicht für konkrete Aussagen vereinbart. Damit kann jeder und jede sich unzensiert äußern.
  2. Ermutigung zur Offenheit: Wir haben unsere positiven und negativen Erfahrungen in der bisherigen Elternarbeit in einer persönlichen Sprache offen ausgesprochen. Damit haben wir alle Beteiligten ermutigt, sich offen zu äußern.
  3. Strukturiertes Vorgehen mit dem Ziel, einen Projektplan zu erarbeiten. Wir haben das Projekttreffen vorbereitet und moderiert.
  4. Wertschätzung aller Perspektiven. Wir haben durch aktives Zuhöhren dafür gesorgt, dass alle Äusserungen erstmal gewürdigt wurden. Jeder persönliche Beitrag ist wertvoll und verdient Anerkennung.

Innerhalb dieses Rahmens haben wir in Anlehnung an die Projektplanung von David Allen (David Allen: Getting Things Done: The Art of Stress-free Productivity. Penguin Books 2002) konkret folgendes erarbeitet:

  • Diskussion über das WARUM des Projektes. Warum also ist uns Erziehungspartnerschaft wichtig?  Hier haben die unterschiedlichen Beteiligten unterschiedliche Gründe angegeben:
    Leitung und Erzieherinnen wollen mehr Eltern erreichen und vor allem die, die sie bis dato schwer erreichen. Konkret wünscht sich das Kita-Team, dass mehr Eltern zu den Elternabenden und zu den Themenabenden kommen.
    Die Eltern möchten sich in der Kita wohl und willkommen fühlen. Sie möchten die Erzieherinnen, mit denen ihre Kinder einen Großteil des Tages verbringen, persönlich kennen lernen  – z.B. ihren beruflichen Hintergrund, ihre pädagogischen Werte, Haltungen und Ziele, ihre Wahrnehmung vom Kind. Weiter war es Eltern wichtig, dass ihr Kind die Verbindung zwischen Elternhaus und Kita erlebt. Dahinter steht die Annahme, dass Kinder kein Bedürfnis nach voneinander getrennten Lebensräumen haben. Ein Kind fühlt sich dann wohl, sicher und geborgen wenn es erlebt, dass seine wichtigen Bezugspersonen in einer respektvollen und lebendigen Beziehung miteinander sind.
  • Welche ECKPUNKTE müssen sein, damit das Projekt „Erziehungspartnerschaft“ in unserem Sinne ein Erfolg wird? Angenommen, wir würden das Projekt an eine externe Beraterfirma abgeben – was müsste deren Ergebnis auf jeden Fall beinhalten?
    Es wurde schnell deutlich, dass viele Formen der „alten“ Elternarbeit beibehalten werden sollen: Gruppenelternabende, Gesamtelternabend, Vater-Kind-Nachmittag, Ausflug oder Sommerfest … . Die Form soll bleiben, aber der Inhalt soll sich verändern – v.a. die Qualität der Beziehungen. Der Austausch soll direkter, lebendiger, offener und persönlicher werden. Neue Formen der Erziehungspartnerschaft könnten gerne dazu kommen. Hier wurde v,a, der Hausbesuch genannt, damit die Erzieherin das häusliche Umfeld des Kindes kennen lernt und auch die Eltern in deren Zuhause nochmal anders erleben können. Auch eine gemütliche Ecke für die Eltern in der Kita wurde angedacht – damit diese dort ihren Raum haben.
  • Erarbeiten einer VISION. Angenommen, heute Nacht würde eine Fee kommen und die Kultur der Erziehungspartnerschaft, die wir uns wünschen, einfach zaubern – woran würden wir das merken? Alle Eltern, die die Kita betreten, spüren sofort, dass hier eine Willkommenskultur gelebt wird. Jede Mutter, jeder Vater, jede Oma … erlebt sich als bewusst wahrgenommen und willkommen. Dazu sollen auch ganz kleine Dinge beitragen, wie z.B. dass Erzieherinnen und Eltern sich mit Blickkontakt und vielleicht einem netten persönlichen Satz begrüßen. Eltern, die Interesse an ihrer Person und an ihrer Familie erleben („Wie geht es Ihnen?“ …), werden Interesse an der Arbeit der Kita entwickeln. Darüber lernen Eltern und Erzieherinnen sich kennen und schätzen. Auf dieser Basis entstehen persönliche Beziehungen. Die Kinder erleben den Kontakt zwischen Eltern und Erzieherinnen und somit die Verbindung von Zuhause und Kita. Sich so geborgen fühlend nutzen die Kinder die reichhaltigen Angebote der Kita für Ihre Entwicklung
  • Was jetzt noch aussteht ist die SAMMLUNG VON IDEEN Was konkret soll also die Erziehungspartnerschaft ausmachen und die PLANUNG DER UMSETZUNG – Wer macht was und wie bis wann?

Damit werden wir uns am nächsten Projekttreffen am 05.03.2015 von 19:00-21:30 in der Kita beschäftigen. Alle Eltern und Erzieherinnen, die Lust haben, die Zusammenarbeit aktiv mitzugestalten, sind herzlich willkommen!!!

Ach ja, noch was:

Im Prozess war ein zentraler Diskussionspunkt die Unterscheidung zwischen privat und persönlich. Ziel ist nicht ein privater Kontakt zwischen Eltern und Erzieherinnen. Persönlicher Kontakt bedeutet: Ich spreche – als Mutter/Vater/Erzieherin … – in einer persönlichen Sprache über meine Werte, Bedürfnisse, Haltungen, Wahrnehmungen, Vorgehensweisen, Ziele … . Damit werde ich sichtbar, greifbar -ja vielleicht auch angreifbar- aber all das bedeutet Kontakt und um den geht es ja.

 

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