Martin E.P. Seligman: Der Glücksfaktor
Martin E.P. Seligman, Professor für Psychologie und bekannt aus der Depressionsforschung (Erlernte Hilflosigkeit), hat sich inzwischen der Positiven Psychologie zugewandt - und beeindruckte uns mit seinem wunderbar leicht und lebendig geschriebenen - und dennoch wissenschaftlich fundierten - Buch "Der Glücksfaktor".
Positive Psychologie bedeutet: Beschäftigung mit dem Auf- und Ausbau von Gemütszuständen wie Zufriedenheit, Dankbarkeit und Freude. Solche Gefühle können durch eine aktive Lebensgestaltung und/oder durch Psychotherapie nachhaltig gesteigert werden. Das ist die Hauptaussage von Seligman zum Thema "Glück".
Die neurobiologische Forschung belegt längst, dass es zum Glücklichsein nicht ausreicht, belastende Gefühle wie Angst, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit zu bearbeiten. Das alleine macht keine positiven Gefühle. Erwünschte Gemütszustände, wie die oben genannten, müssen aktiv gefördert und unterstützt werden.
Im ersten Teil des Buches beschreibt Seligman zentrale positive Gefühle: Zufriedenheit mit der Vergangenheit, Dankbarkeit, Vergeben, ein optimistischer Blick in die Zukunft sowie angenehme Empfindungen in der Gegenwart (körperliche Vergnügungen, einen schönen Tag haben, Achtsamkeit). Dabei gibt er wunderbare Anregungen, was jede/r Einzelne tun kann, um diese Gefühle mehr zu erleben. Besonders gefallen hat uns das "Dankbarkeitsritual": einen Menschen, dem man viel verdankt einladen und die erlebte Dankbarkeit dieser Person gegenüber zum Ausdruck bringen.
Positive Psychologie bedeutet auch: Stärken und Fähigkeiten zu fokussieren. Im zweiten Teil des Buches stellt Seligman ein grosses Forschungsprojekt vor dessen Ziel es war, analog zur Klassifikation psychischer Störungen eine Klassifikation der Gesundheiten zu schaffen. Das Forschungsprojekt basiert auf dem Studium von insgesamt 200 Tugend-Katalogen. Dazu gehören grosse religiöse und philosophische Schriften. All diese Traditionen - verteilt über 3000 Jahre und die gesamte Erdoberfläche - unterstützen sechs Tugenden:
Weisheit und Wissen
Mut
Liebe und Humanität
Gerechtigkeit
Mässigung
Spiritualität und Transzendenz
Den einzelnen Tugenden sind insgesamt 24 Stärken zugeordnet, wie z.B. der Tugend Weisheit und Wissen die Stärken Neugier/Interesse für die Welt, Lernfreude, Urleilskraft/kritisches Denken/Offenheit, Kreativität/Originalität, soziale/emotionale Intelligenz und Weitblick. Mit den Stärken erlangen wir die Tugenden. Die Stärken können wir auf- und ausbauen.
Nach Seligman geht es darum, die eigenen Stärken zu identifizieren und in möglichst vielen Lebensbereichen einzusetzen, um ein glückliches, zufriedenes und authentisches Leben zu leben. Seligman empfiehlt, sich nicht allzusehr um seine Schwächen zu kümmern, ihnen nicht viel Aufmerksamkeit und damit auch Energie zu schenken.
Der dritte und letzte Teil des Buches trägt den schönen Titel "In den Räumen des Lebens". Seligman wendet seine Erkenntnisse hier auf die Lebensbereiche Kindererziehung, Liebe und Arbeitsleben an.
Seligman, Martin E.P. (2002): Der Glücksfaktor. Warum Optimisten länger leben. Bastei Lübbe. ISBN: 3-404-60548-9.



