Seit Januar 2006 begleite und unterstütze ich (Susanne Stroppel)die MitarbeiterInnen der Kinderbetreuungseinrichtung « Butzenhaus » als Supervisorin.
Das Butzenhaus ist ein Foyer de Jour. Es betreut Kinder von 0-8 Jahren. Diese sind nach Alter in 4 Gruppen eingeteilt: 0 – 18 Monate, 18 Monate bis 3 Jahre, 3-4 Jahre und 4-8 Jahre.
Mein Auftrag ist schwerpunktmässig Fallsupervision mit den einzelnen Unterteams. Um ein besseres Bild von dem Alltag der Gruppen zu bekommen, habe ich zusätzlich die Möglichkeit, die Gruppen für ein bis zwei Stunden zu besuchen. Damit gewähren mir die Erzieherinnen einen unmittelbaren Einblick in ihre Arbeitsweise. Die Bereitschaft dazu, basierend auf dem Wunsch, den Bedürfnissen der ihnen anvertrauten Kinder noch mehr gerecht zu werden, hat mich sehr beeindruckt. Dieses Bemühen, ein Kind wirklich zu verstehen und ihm gerecht zu werden, prägt auch die engagierte Atmosphäre in den jeweiligen Fallsupervisionen. Es macht mir viel Freude, gemeinsam mit den Erzieherinnen das auffällige Verhalten eines Kindes vor dem Hintergrund seiner familären Situation, seinem Entwicklungsstand und seiner Situation in der Gruppe zu verstehen und individuelle Lösungen für ein hilfreiches pädagogisches Handeln zu entwickeln.
Da mir der Blick der Einrichtungen auf Supervision wichtig ist, habe ich Luc Jemming, dem Leiter des Butzenhauses die Frage gestellt „Was bedeutet Supervision für euch und wie profitiert ihr davon?“.
Hier seine Antwort:
„Eigentlich müsste eine regelmäßige Fallsupervision, eine pädagogische Unterstützung der Erzieherinnen im Kindergarten zur alltäglichen « Ausstattung » gehören.
Dies ist aber des Öfteren nicht der Fall. Die Erzieherinnen sowie die Direktionsbeauftragten sind sich selbst überlassen. Den Alltag bekommen sie relativ problemlos gemeistert; die meisten von ihnen sind diplomierte Erzieher/innen oder Pädagog/innen.
Im Butzenhaus haben wir in den letzten 4-5 Jahren verstärkt Kinder aus sogenannten sozial schwachen Familien aufgenommen. Ausserdem haben wir nur noch 20% luxemburgische Kinder in unserer Kita.
Die Eltern der Kinder stehen oft, bedingt durch ihre soziale Situation, unter Druck. Die Kinder bekommen diesen Druck zu spüren und haben gewisse Schwierigkeiten, ihn angemessen zu verarbeiten. Wir stellen fest, dass immer mehr Kinder immer weniger ein Zuhause mit Ritualen und geregelten Abläufen haben. Häufig werden sie auch wenig mit klaren Grenzen konfrontiert. Beides brauchen Kinder jedoch, um ihre Selbstsicherheit und ihr Selbstvertrauen aufzubauen. In der Kita sorgen wir für die Etabilierung von Ritualen und Traditionen. Wichtig ist es uns auch, klare Grenzen zu definieren. Stellen wir bei verschiedenen Kindern einen Mangel an Selbstvertrauen, Unsicherheit und Unwohlsein fest, dann wissen wir oft nicht, als wie problematisch dieses Verhalten eingestuft werden muss und wie wir darauf reagieren sollen.
Hier bringt sich unsere Supervisorin als Expertin ein. Sie filtert durch Beobachtung der Gruppe und durch genaues Zuhören der Erzieherinnen heraus, wo das Kind steht und welche Art von Unterstützung es braucht.
Ist in schwierigen Situationen ein Elterngespräch notwendig, bereitet sie dieses mit uns vor.
Es ist als Erzieher/in wichtig, Beobachtungen über die Kinder zu machen, diese mitzuteilen und mit Hilfe eines professionellen Außenstehenden zu reflektieren. Susanne hilft uns, neue Pisten zu finden, neue Hypothesen aufzustellen und sie zeigt uns auch, wie wir diese auf ihre Richtigkeit prüfen können. Sie erlaubt uns, unsere Phantasien auszusprechen, welche das Verhalten verschiedener Kinder erklären könnte. Es ist wichtig, dass wir unsere Phantasien in Worte fassen können.
Es kommt auch vor, dass wir mit einem bestimmten Kind oder einer bestimmten Familie weniger gut zurechtkommen. Für die Erzieher/innen ist es interessant, dies in Worte zu fassen und sich mit Kolleg/innen und der Supervisorin darüber auszutauschen. Dies verlangt ein grosses Vertrauen im Team aber auch gegenüber der Supervisorin. Durch die Schweigepflicht wird hierfür ein sicherer Rahmen geschaffen.
In unseren Baby bzw. Kleinkindergruppen hat sie uns auf verschiedene Mängel hingewiesen. Verschiedene dieser Mängel sind infrastruktureller Natur und können insofern weder kurz- noch mittelfristig geändert werden z.B. Raumaufteilung und Personalschlüssel. Andere Veränderungen, die zum Wohlbefinden der einzelnen Kinder und der ganzen Gruppe beitragen, setzen wir um, z.B. eine andere Raumgestaltung, eine verbesserte Eingewöhnungsphase der Kinder…“