Remo H. Largo und Monika Czernin: Glückliche Scheidungskinder

Trennung/Scheidung und ihre Auswirkungen auf gemeinsame Kinder werden in der Fachliteratur kontrovers diskutiert. Die Pole dieser Diskussion sind bezeichnet mit Trauma und Chance. Dabei gibt es eine deutliche Tendenz von der defizitorientierten Perspektive, die viele Nachteile für von Scheidung betroffene Kinder feststellt zu einer ressourcenorientierten Sichtweise, die Trennung als Veränderungsprozess betrachtet, von dem Kinder auch profitieren können.

Dennoch stellen viele Eltern (auch in unserer Praxis) die Frage: Werden unsere Kinder unter unserer Trennung leiden?

Der Untertitel des neuen Buches von Remo Largo (bekannt durch „Babyjahre“ und „Kinderjahre“), das er diesmal in Co-Autorschaft mit Monika Czernin geschrieben hat verweist darauf, dass sich die AutorInnen eher dem ressourcenorientierten Pol zugehörig fühlen.

Sie sprechen von „glücklichen Scheidungskindern“.

Glücklich unter einer Bedingung: Wenn zentrale Grundbedürfnisse der Kinder weiterhin befriedigt werden. Also wenn Kinder während und nach der Trennung ausreichend Zuwendung, Geborgenheit, Sicherheit und Anerkennung von beiden Elternteilen erfahren.

Hierzu einige Zitate:

„Trennung und Scheidung sind für die Eltern sehr schmerzhafte Erfahrungen. Aber für das Kind muss eine Trennung keine unvermeidliche Katastrophe sein. Im besten Fall wird das Kind in seinem Wohlbefinden überhaupt nicht beeinträchtigt. Es erlebt die Trennung nur dann als negativ, wenn es nicht mehr ausreichend betreut wird, seine Grundbedürfnisse nicht mehr wie bisher befriedigt werden, oder das Kind unter den negativen Gefühlen zwischen den Eltern leidet, Streit und Aggression zwischen den Eltern erlebt.

Für das Wohlbefinden des Kindes ist die Beziehung zu den Eltern entscheidend, nicht die Scheidung“ (S.211).

„Eine der häufigsten Folgen, wenn die Erwachsenen Stress haben, leiden und streiten, ist die Vernachlässigung der Kinder. Darunter leiden sie (und nicht unter der Trennung)“ (S.164).

Das Fokussieren auf die Bedürfnisse der Kinder eröffnet Handlungsmöglichkeiten. Viele viele Beispiele aus der Praxis und der eigenen Erfahrung der AutorInnen (beide haben Trennung in der Elternrolle erlebt) geben hierfür wertvolle Anregungen.

Um den Bedürnissen von Kindern in dieser besonderen Situation gerecht zu werden, brauchen Erwachsene ein Wissen darum, wie Kinder Trennung und Scheidung erleben. Die AutorInnen schlüpfen häufig in die Schuhe der Kinder und schildern deren Perspektive. Auch das macht das Buch für uns sehr reich. Es ist über das Thema hinaus eine kleine Schule in Einfühlung in Kinderwelten.

Remo H. Largo und Monika Czernin (2006). Glückliche Scheidungskinder. Trennungen und wie Kinder damit fertig werden. Piper-Verlag. ISBN: 3-492-24158-1

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